Forschungsprojekt Essstörungen und Geschlecht

Teilnehmende für Interviews gesucht

Hier gibt es Informationen für Personen, die an einer Teilnahme interessiert sind. Das Projekt ist am Institut für Psychologie der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe angesiedelt.

Warum dieses Projekt?

Vieles deutet darauf hin, dass Probleme mit Körper/Essen bzw. Essstörungen von Seiten der Psychologie noch immer unzureichend verstanden sind. Eine psychotherapeutische Behandlung ist häufig nicht erfolgreich und wird von Betroffenen zum Teil wenig positiv erlebt. Warum größtenteils junge Frauen von Essstörungen betroffen sind wird meist mit dem gesellschaftlichen Schlankheitsideal erklärt, ohne genauer zu hinterfragen woher dieses kommt und inwiefern dieses von Betroffenen als bedeutsam erlebt wurde. Zudem sind auch Männer und Menschen, die sich weder als Frauen noch als Männer einordnen können oder wollen, von Essstörungen betroffen und erleben möglicherweise ganz andere gesellschaftliche Ansprüche.

Worum geht es?

Diese Interviewstudie beschäftigt sich mit den Erfahrungen von Menschen, die von Bulimie oder Anorexie betroffen waren: Wie haben sie die Essstörung erlebt und welche Wege haben sie gefunden um damit umzugehen bzw. die Essstörung zu überwinden? Von besonderem Interesse sind dabei die Erfahrungen von Menschen mit verschiedenen Geschlechtern, da Erfahrungen die den Bezug zum Körper beeinflussen oft sehr unterschiedlich sind.

Was sind die Ziele des Projekts?

Es soll mehr über die Zusammenhänge zwischen Essstörungen und den sozialen Anforderungen, die Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtern erleben, herausgefunden werden.

Es sollen neue Perspektiven darauf entwickelt werden, was vor diesem Hintergrund wichtig für das Erleben und die Überwindung bzw. Gesundung von Essstörungen ist.

Wer kann teilnehmen?

Die Perspektiven betroffener Menschen sollen für den wissenschaftlichen Diskurs und auch für die praktische Psychologie sichtbar gemacht werden.

Es werden Menschen gesucht, die Erfahrungen mit Anorexie oder Bulimie gemacht haben und die bereit sind ihre Erfahrungen in einem vertraulichen Interview zu teilen. Wichtig ist, dass diese Erfahrungen in der Vergangenheit liegen und die Teilnehmenden nicht mehr akut betroffen sind. Ob dabei Psychotherapie in Anspruch genommen wurde ist für die Teilnahme nicht entscheidend.

In der ersten Phase des Projektes wurden hauptsächlich Interviews mit heterosexuellen Frauen geführt, welche die größte Gruppe der von Essstörungen betroffenen Menschen darstellen. Da dieses Projekt jedoch eine möglichst vollständige Perspektive anstrebt, werden nun männliche Teilnehmende und Teilnehmende, die sich dem LGBTTIQ* Spektrum zuordnen, gesucht.

Selbstverständlich sind alle Informationen vertraulich und werden nur anonymisiert ausgewertet!

*LGBTTIQ steht für Lesbian,Gay,Bisexual,Transgender,Transsexual, Intersexual and Queer. Mehr Infos unter „Hinweise…“

Ablauf der Teilnahme

Zunächst bekommen Interessierte die Möglichkeit, per E-Mail oder Telefon Fragen und Bedenken zu klären und sich dann für oder gegen eine Teilnahme zu entscheiden. Für das Interview wird ein persönlicher Termin ausgemacht, der sich nach dem Wohnort der Teilnehmenden richtet. Das Interview selbst ist sehr offen gehalten und hat eher die Gestalt eines Gesprächs, welches auf Tonband aufgezeichnet und später in anonymisierter Form transkribiert und für die wissenschaftliche Auswertung verwendet wird. Zusätzlich zum Interview wird ein kurzer Fragebogen verwendet.

Hinweise zum Umgang mit Geschlechtsbezeichnungen und Störungskonzepten

Dieses Projekt erkennt grundsätzlich die Selbstdefinition aller Teilnehmenden bezüglich ihrer Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung an. Für manche ist das einfach, wenn sie sich eben einfach als Mann oder Frau sehen, für andere ist es komplizierter.

LGBTTIQ soll hier als Überbegriff für Menschen verstanden werden, deren Geschlechtsidentität und/oder sexuelle Orientierung nicht einer zweigeschlechtlichen, heterosexuellen Norm entspricht, wobei das Kürzel sicher ergänzbar ist.

Die hier verwendeten Kategorisierungen wie Frauen, männliche Teilnehmende, oder LGBTTIQ können auch immer problematisch sein und sind weder eine endgültige Ausdifferernzierung noch eindeutige Abgrenzung.

Dieses Projekt erkennt an, dass die Einordnung von Menschen in Störungskonzepte („Essstörungen“) und Diagnosen (z.B. „Anorexie“) aus verschiedenen Gründen kritisch erlebt und betrachtet werden kann und nimmt auch solche Perspektiven gerne auf.

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