Beruflicher Werdegang und Qualifikation
Meinen Masterabschluss in klinischer Psychologie habe ich 2015 an der Universität Bremen absolviert. In meiner Studienzeit hatte ich bereits Arbeitserfahrung durch Praktika und Teilzeitarbeit in verschiedenen Bereichen gesammelt (Erziehungsberatung, Kinder- und Jugendpsychiatrie Unterstützung von Menschen mit Behinderungen).
Ausgehend von meinen privaten und politischen Interessen beschäftigte ich mich zum Ende meiner Studienzeit hin mit feministischen und anderen kritischen Perspektiven auf die Psychologie als Wissenschaft und als Praxisfeld. Daraus entstand zum einen ein kritisches Bewusstsein für die Relevanz sozialer Strukturen für die menschliche Psyche, zum anderen auch die Idee zu einem Forschungsprojekt zum Thema Essstörungen aus feministischer und queerer Perspektive. Ich setzte es mir zum Ziel, die subjektiven Erfahrungen von Menschen mit Essstörungen und deren Bezug zu Geschlecht und Sexualität wissenschaftlich herauszuarbeiten, und dabei auch sexuelle und geschlechtliche Vielfalt einzubeziehen. Zeitgleich arbeitete ich in der Jugendhilfe mit jungen geflüchteten Menschen und psychisch belasteten Jugendlichen.
Das oben beschriebene Projekt setzte ich ab 2017 im Rahmen meiner Doktorarbeit um, die an der PH Karlsruhe und der Universität Tübingen betreut wurde. Diese Arbeit wurde durch ein Promotionsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung gefördert. Die daraus entstandenen Publikationen sind open access (frei zugänglich) in Fachzeitschriften und der Datenbank der PH Karlsruhe erschienen. Zum Ende meiner Promotionszeit war ich hauptsächlich wissenschaftlich und als Dozentin tätig, entwickelte aber den Wunsch, auch praktisch und therapeutisch tätig werden zu können.
Daher entschloss ich mich 2022, noch eine Ausbildung zur Psychotherapeutin am Systemischen Institut der Uniklinik Freiburg zu beginnen. Dies beinhaltete neben der theoretischen Ausbildung auch therapeutische Arbeit in der psychosomatischen Rehaklinik in Gengenbach und im Zentrum für Psychiatrie in Emmendingen. Gleichzeitig setzte ich meine Arbeit als Dozentin in unterschiedlichen Kontexten fort, insbesondere durch Lehrtätigkeit an der EH Freiburg und in der Fortbildung queere Psychologie in Therapie und Beratung, die vom Fachverband VLSP* und der EH Ludwigsburg angeboten wird. Aktuell arbeite ich psychotherapeutisch im Rahmen der letzten Phase meiner Ausbildung in der psychotherapeutischen Ambulanz des Systemischen Instituts der Uniklinik Freiburg, sowie als Dozentin und freiberufliche psychologische Beraterin.

Wissenschaftliche Arbeit und Dozentinnentätigkeit
Mein Arbeitsschwerpunkt war nicht immer therapeutisch. Ich war mehrere Jahre als Doktorandin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin tätig und begeistere mich noch immer für diese Arbeit.
Ich freue mich über Anfragen für Vorträge oder Workshops!
Folgende Themen beschäftigen mich dabei besonders:
Klinische Psychologie und soziale Strukturen
Die psychologische Perspektive auf psychische Erkrankungen ist noch immer stark von einem medizinischen Krankheitsmodell geprägt, in dem individuelle und biologische Faktoren im Vordergrund stehen. Dabei haben gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Strukturen und die Position der einzelnen Person darin einen erheblichen Enfluss auf ihre psychische Gesundheit. Daher ist mir die interdisziplinäre Verknüpfung von gesellschaftstheoretischem und psychologischem Wissen wichtig.
Essstörungen und Körpererleben
Der Bezug zum Körper ist komplex und faszinierend – Ein Zusammenwirken von individuellen kognitiven und emotionalen Erfahrungen, gesellschaftlichen Normen und ihren historischen Bedingungen, ganz basalen neurophysiologischen Prozessen und vielem mehr. In meiner Doktorarbeit habe ich mich damit ganz konkret im Zusammenhang von Essstörungen und geschlechtsspezifischen Erfahrungen beschäftigt.
feministische und queere Psychologie
Die Psychologie als Wissenschaft und als Praxisfeld existiert nicht im luftleeren Raum – sie ist eingebettet in gesellschaftliche Strukturen, Konzepte und Normen. Dadurch ist die Psychologie auch anfällig dafür, gesellschaftliche Ungleichheiten in ihren Konzepten zu reproduzieren. Dies trifft z.B. auf Ungleichheiten in Bezug auf Geschlecht oder sexuelle Orientierung zu. Psychologische Forschung und Theoriebildung kann aber auch dafür genutzt werden, Diskriminierung zu verstehen und dem entgegenzuwirken.
Intersektionalität und psychische Gesundheit
Das Konzept der Intersektionalität ist verwurzelt im Schwarzen Feminismus und beschäftigt sich mit den Überschneidungen und der Gleichzeitigkeit von verschiedenen Formen von gesellschaftlicher Benachteiligung und Bevorteilung (z.B. aufgrund von Herkunft, Klasse, Geschlecht, Behinderung, usw.). Es wird zunehmend auch in der Psychologie genutzt, um beispielsweise die psychischen Folgen von Diskriminierung zu untersuchen.
Forschungsmethodik
Die Methoden und Prinzipien, mit denen Forschung betrieben wird, zu verstehen ist eine Grundvoraussetzung dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse einordnen und bewerten zu können. Dabei faszinieren mich vor allem die Unterschiedlichkeit empirischer Zugänge (z.B. qualitativ und quantitativ), ihre theoretischen Ausgangspunkte und Verknüpfungsmöglichkeiten.
Trauma
In meiner therapeutischen Arbeit stelle ich immer wieder fest, wie hilfreich ein traumatherapeutisches Verständnis ist, selbst bei Klient*innen, die nicht im engeren Sinne traumatisiert sind. Gleichzeitig zeigt die Traumaforschung ganz fundamentale Überschneidungen mit anderen meiner Kerninteressen auf: Zum einen werden Körpererleben und die Selbstregulation auf neurophysiologischer Basis durch Traumatisierungen stark beeinflusst. Zum anderen hängt es stark von gesellschaftlichen Faktoren ab, welche Personen eher traumatisierenden Bedingungen ausgesetzt werden.
Publikationen
- Springmann, M.-L. (2025). Potentials of Intersectional Approaches for Enhancing the Scientific and Therapeutic Understanding of Eating Disorders. In S. Saase, A. Namdiero-Walsh, S. Schlör, & K. Dücker (Eds.) Intersektionalität in Therapie und Beratung (pp. 425–438). Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. https://doi.org/10.5771/9783748940104-425
- Springmann, M.-L., Daphna-Tekoah, S., Harel, A., Hendrich, B., & Kiegelmann, M. (2025). Not Lost in Translation: Multi-Perspective Collaborative Analysis With the Listening Guide, Illustrated by a Case of a Woman in Combat. Forum Qualitative Sozialforschung, 26, 11. https://doi.org/10.17169/fqs-26.1.4222
- Yeboah, A., Majani, N., Brecht, A., Springmann, M.-L., Quadflieg, N., Gather, J., & Faissner, M. (2024). Diversität in der sozialpsychiatrischen Versorgungslandschaft—Intersektionalität als Tool der klinischen Praxis. Sozialpsychiatrische Informationen, 54, 52–57.
- Müller, F., Rosari, S., Höhn, J., Springmann, M.-L., & Kiegelmann, M. (2023). Disentangling Meaning in Hard-to-Understand Data through Expanding the Listening Guide. In E. Tseliou, C. Demuth, E. Georgaca, & B. Gough, The Routledge International Handbook of Innovative Qualitative Psychological Research (1st ed., pp. 125–137). Routledge. https://doi.org/10.4324/9781003132721-12
- Springmann, M.-L., Svaldi, J., & Kiegelmann, M. (2022). A Qualitative Study of Gendered Psychosocial Processes in Eating Disorder Development. International Journal of Eating Disorders. https://doi.org/10.1002/eat.23734
- Springmann, M.-L. (2022). Essstörungen und Geschlecht: Geschlecht als Rahmenkonstrukt zum Verständnis psychosozialer Entwicklungsprozesse bei Anorexie und Bulimie [Dissertation. Pädagogische Hochschule Karlsruhe]. OPUS. https://phka.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/316
- Springmann, M.-L., Svaldi, J., & Kiegelmann, M. (2020). Theoretical and Methodological Considerations for Research on Eating Disorders and Gender. Frontiers in Psychology, 11. https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.586196.
- Springmann, M.-L. (2018). Kritik des Geschlechtermodells in der Psychologie am Beispiel der Forschung zu Essstörungen und Geschlecht. Psychologie & Gesellschaftskritik, 40(4), 53–74.
Mitgliedschaften
- Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs; https://www.dgps.de)
- Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPTV; https://www.dptv.de)
- Fachverband für queere Menschen in der Psychologie (VLSP* https://www.vlsp.de)
- Institut für qualitative Sozialforschung Freiburg (IQS; https://iqs-forschung.de)
